Fakten zur Arbeitsmarktpolitik in Deutschland
Der deutsche Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Faktor für das Wachstum, den Wohlstand und die Finanzierung des Sozialstaats. Fachkräftemangel und der demographische Wandel machen ihn zu einer der zentralen Zukunftsfragen für Deutschland.
Arbeitungspolitik ist Wohlstandspolitik
Wir sind mitten in der größten Wirtschaftskrise seit 1945, das zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Erstmals seit über 15 Jahren liegt die Zahl der Arbeitslosen wieder bei rund drei Millionen. Gleichzeitig leidet der deutsche Arbeitsmarkt an Fachkräftemangel. Diese paradoxe Entwicklung wird vom demographischen Wandel weiter verschärft.

Drei Stellschrauben für den Arbeitsmarkt
Es gibt drei zentrale Stellschrauben, um das produktive Arbeitsvolumen und unser Erwerbspersonenpotenzial zu erhöhen:
Mehr Menschen in Arbeit und mehr Arbeitsvolumen ermöglichen, etwa durch bessere Kinderbetreuung, stärkere Anreize für Vollzeitarbeit, längere Erwerbstätigkeit Älterer sowie bessere Chancen für junge Erwachsene ohne Berufsabschluss.
Das Potenzial im Ausland gezielt anziehen: Qualifizierte Arbeitskräfte schneller integrieren und internationale Studierende stärker an den Standort Deutschland binden.
Arbeitsmarktinstrumente modernisieren: KI und die Transformation als Chance nutzen, Regulierung zielgenau einsetzen und mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Befristungen ermöglichen.
Fakt 1: Der deutsche Arbeitsmarkt gerät unter Druck
Nach einem fast beispiellosen Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl von 4,9 Millionen im Jahr 2005 auf 2,3 Millionen im Jahr 2019 kommt jetzt die Wirtschaftskrise auch auf dem Arbeitsmarkt an. Die Arbeitslosenzahl schwankt seit Sommer 2025 konstant um die 3-Millionen-Marke.
Die Arbeitslosenzahl liegt bei rund drei Millionen und die Arbeitslosenquote zwischen 6,1 und 6,6 Prozent.

Fakt 2: Job-Mismatching
Die Arbeitslosenzahlen sind hoch, obwohl es laut Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im ersten Quartal 2026 bundesweit 1,15 Millionen offene Stellen gab. Damit ergab sich eine Relation aus 264 gemeldete Arbeitslose auf 100 offene Stellen – 13 Arbeitslose mehr als im Vorjahresquartal.
Der Anstieg dieses Verhältnisses drückt rein numerisch aus, dass es für Arbeitgeber leichter sein sollte, Stellen zu besetzen – während die Konkurrenz unter Arbeitnehmern zunimmt.
Fakt 3: Kurzarbeit: Hemmnis für Transformation
Infolge des Corona-Lockdowns waren im Frühjahr 2020 bei den Arbeitsagenturen Kurzarbeitsanzeigen für bis zu 10,7 Millionen Beschäftigte eingegangen. Kurzarbeit erwies sich damals wie heute als ein zentrales Instrument, um konjunkturelle Einbrüche abzufedern und Entlassungen zu vermeiden.
Die Zahl der angemeldeten Beschäftigten in Kurzarbeit ist in den Jahren nach der Pandemie jedoch nicht auf das Niveau von davor zurückgekehrt.
Fakt 4: Befristung als Einstieg in Arbeit
Eine befristete Beschäftigung ist häufig ein Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dabei werden laut einer IW-Studie 56 Prozent aller Befristeten nach drei Jahren in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.
Die Befristungsquote ist seit 1991 von 5,9 Prozent auf 7,0 Prozent in 2024 gestiegen.
Fakt 5: Verhindert der Mindestlohn den Jobeinstieg für Geringverdiener?
Der Mindestlohn wurde 2015 in Höhe von 8,50 Euro eingeführt. Weil die wirtschaftliche Lage lange sehr gut war und Mindestlohnanhebungen von der Mindestlohnkommission an der Tariflohnentwicklung orientiert wurden, hielten sich die negativen Beschäftigungseffekte weitgehend in engen Grenzen.
Bei der Anzahl der Minijobs allerdings ist es schwierig, eine klare Aussage über den Einfluss des Mindestlohns auf den Jobeinstieg für Geringverdiener zu treffen.
Einordnung
Politische Rahmenbedingungen in Deutschland spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Arbeitsmarktpolitik. Die Bundesregierung hat Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft zu stärken und das Produktivitätspotenzial zu erhöhen.
Ein wichtiger Schritt wäre es, die Arbeitslosenzahl zu senken und gleichzeitig die Anzahl der offenen Stellen zu erhöhen. Dies kann durch eine Kombination aus Maßnahmen wie einer verbesserten Schulbildung, einer höheren Anreize für Vollzeitarbeit und einer stärkeren Förderung von Start-ups erreicht werden.
Es ist auch wichtig, die Demographie zu berücksichtigen und auf die Herausforderungen des demographischen Wandels einzugehen. Dies kann durch eine gezielte Ausbildung von jungen Menschen und eine stärkere Integration von Flüchtlingen erreicht werden.
Ein weiterer wichtiger Schritt wäre es, die Befristungsquote zu erhöhen und die Regulierung von Kurzarbeit zu modernisieren. Dies kann durch eine gezielte Förderung von Start-ups und eine stärkere Unterstützung für kleine Unternehmen erreicht werden.
Ein funktionsfähiger Arbeitsmarkt, der das verfügbare Potenzial seiner Angehörigen entfaltet, ist das A&O für einen nachhaltigen Wohlstand, der unser System finanzieren kann.